Mann im Schatten

Die New Yorker City University hat sich der Fragestellung gewidmet, wie die Zukunft des Journalismus aussehen werde, wenn in Metropolen irgendwann keine gedruckten Tageszeitungen mehr existieren würden. Die Fachgruppe unter Leitung von Blogger Jeff Jarvis kam dabei zu diversen interessanten Ergebnissen:

– „Es wird ein Ökosystem entstehen aus vielen Akteuren, die mit ganz unterschiedlichen Motiven, Mitteln und Geschäftsmodellen agieren. All das wird den Journalismus auf eine neue Ebene heben“

– „Blogger könnten im Jahr über 300.000 Dollar im Jahr einnehmen – und dabei noch Leute als Reporter einstellen, Anzeigen verkaufen und einen guten Gewinn machen.“

– „Neue Nachrichtenunternehmen werden ein Teil dieses Ökosystems sein, aber sie werden es nicht länger besitzen. Wir denken da an eine Organisation, die an einem Thema dran bleibt und investigativ arbeitet.“ (Quelle: tagesschau.de)

Außerdem solle das aktuelle Niveau definitiv gehalten werden können, evtl. sogar noch steigen, da viel mehr Menschen direkt an der Arbeit mithelfen würden und keine Monopole mehr bestünden. Natürlich würden auch die Kosten sinken, weil es keine Druckkosten etc. mehr gebe. Final werde der Journalist der Zukunft eigentlich der Journalist der Vergangenheit sein:

– „Die Journalisten, die vor fünfzig, hundert, hundertfünfzig Jahren Zeitungen gegründet haben, waren auch Unternehmer. Sie haben in der Technik eine Chance gesehen, der Gesellschaft auf eine neue Art zu dienen. Diese Chance ist wieder da.“ (Quelle: tagesschau.de)

Ob das alles wirklich so kommen wird? Oder wird hier der Einfluss der Blogger mal wieder überbewertet? Schon jetzt gibt es viel zu viele kleine Blogs, als dass einigermaßen einfach die guten und verlässlichen von den reinen Meinungsmachern zu unterscheiden wären. Außerdem sind – zumindest in Deutschland – die öffentlich-rechtlichen Nachrichten- und Reportage-Portale und verschiedene seit langer Zeit etablierte Zeitungen momentan noch mit einem Vertrauens-Vorschuss gesegnet, den weder Online-Newsdienste, noch Blogger besitzen und erstmal bekommen müssen.

Kontroversen wie bei der Bahn zeigen daneben schon heute, wie hinter den Kulissen Einfluss auf Blogger genommen wird, damit sie bei entsprechender Blog-Reichweite positiv berichten. Und wie lange kann ein Blogger tatsächlich investigativ recherchieren, um anschließend einen einzelnen großen Artikel zu bekommen, ohne unwirtschaftlich zu werden?

Damit die Annahmen der New Yorker City University einigermaßen zutreffen, muss sich noch einiges tun – sowohl im Netz, als auch außerhalb. Da wundert es irgendwie nicht, dass ausgerechnet ein Blogger an der Spitze dieser Forschung und der Ergebnisse steht…

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