Mann im Schatten

Wenn jemand verkündet, er ziehe nach Berlin, schallt es sogleich von allen Ecken und Enden des Freundeskreises „geil, super Wohnungsmarkt, da kriegste ne riesige Wohnung für kein Geld und kannst dir sogar aussuchen, wo du hinwillst!“ Ein Schlaraffenland also für alle, die mal in München, Köln oder Hamburg eine Wohnung gesucht haben.

Und die Realität? Die sieht wie immer etwas anders aus und beweist, dass Wohnungssuche auch in Berlin ein Schmerz im Arsch ist.

Unfreundlich kalter Dauer-Nieselregen verwandelt die 2,5 Tage Wohnungs-Intensivsuche in eine ungemütliche Angelegenheit und legt die Grundstimmung für ein paar wirklich „schöne“ Erfahrungen mit den lokalen Wohnungsvergabe-Gepflogenheiten:

–    Die erste Wohnung sieht auf den Internet-Bilder super aus, entpuppt sich aber zum Äquivalent der brennenden Mülltonne. Dabei soll Neukölln doch im Kommen sein…
–    Die zweite Wohnung ist auch in Neukölln, macht aber mit allem drum und dran einen prima Eindruck – zumindest von außen. Der Makler hingegen kommt einfach nicht. Anruf. Nachfrage. „Neee, Besitzer hat Eigenbedarf angemeldet. Hab ich nicht bescheid gesagt?“ Neee. Regen. Kalt. Toll.
–    Wohnungen drei und vier. Makler kommt – juchu – ca. 40 andere Besichtiger auch. Selbstauskunft ausfüllen, Makler mit Smalltalk bequatschen, damit er sich den Namen merkt. Weiter geht’s.
–    Wohnung fünf. Anruf vor Besichtigung war vereinbart. „Ne, die Wohnung iss schon wech.“ Toll, danke. Dafür werden Termine ausgemacht.
–    Zwischenzeitlicher Anruf: „Tut uns leid, die Wohnung wurde eben anderweitig vergeben.“ Das wäre Wohnung sieben gewesen.
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Da plant man mal einen intensiven Besichtigungs-Tourismus mit 15 Wohnung in gut 2 Tagen und was wird draus? Wenig. Immerhin: zwei Wohnungen sind cool. Also: Selbstauskunft ausfüllen, den vorher in aller Eile organisierten Schufa-Wisch beilegen, den sicherheitshalber schon angeforderten Einkommensnachweis und die Ausweiskopie dazu. „Haben Sie vielleicht auch einen Mietschuldenfreiheits-Nachweis dabei?“ Ähm, einen was? Nie gehört. Werde ich nachreichen. Anschließend Freund Google kontaktiert und erfahren, dass dieser Nachweis zwar rechtlich wacklig ist, in Berlin aber absolut dazu gehört. Na toll.

Und damit das alles noch nicht genug ist, kommt eine – tatsächlich freundliche und kompetente – Maklerin noch mit dieser alten Drittel-Mär, als sie auf den Einkommensnachweis blickt. „Hm, das wird ja eng. Die Miete sollte ja maximal ein Drittel des Nettoeinkommens sein. Da achten die Besitzer schon sehr drauf.“ Ach ja? Wenn ich also irgendwann mal eine Miete von 1.500 Euro zahlen wollen sollte, muss ich 4.500 Euro netto verdienen? Damit ich auch ja mein Leben finanzieren kann, was ja schließlich 3.000 Euro kostet, weil meine Wohnung 1.500 Euro kostet? Da nehme ich doch lieber eine 800 Euro teure Wohnung. Dann kostet mein Leben nämlich auch nur 1.600 weitere Euro und ich kann von meinem angenommenen 4.500 Euro Netto-Verdient 2.100 jeden Monat für was auch immer verprassen. Koks und Nutten zum Beispiel.

Irgendjemand verwirrt von der Zahlendreherei? Könnte daran liegen, dass die ganze Rechnung auf Unsinn basiert.

Und was haben wir gelernt?

1.    Wohnungssuche ist auch in Berlin nervtötend.
2.    Vielleicht kommt am Ende ja aber doch was raus – abwarten und Daumen drücken.

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