Mann im Schatten

Mit NAKED LUNCH hat sich William S. Burroughs 1959 als ewiger Klassiker der Literatur verewigt. Beat-Literatur ohne dieses abwegige, perverse, geniale Buch zu betrachten, ist unmöglich. Sein Einfluss geht aber weit darüber hinaus. Punk, Post Rock, Metal würden ohne den Cut-up-Poeten um mindestens eine Dimension geringer ausfallen.

Umso größer ist der Ansturm in Berlin zum Pre-Screening des Dok-Films „A Man Within“, der ausschließlich William S. Burroughs gewidmet ist. Der Regisseur, meistens nur mit einer Handkamera bewaffnet, zerrt Iggy Pop, David Cronenberg, Patti Smith, Jello Biafra, Sonic Youth und noch viele mehr vor die Kamera. Oder doch nicht? Es ist nicht immer leicht zu sehen, was Archiv-Material ist, und was eigen gedrehtes.

Macht aber nichts, denn im Postmodernismus ist es ja kein Problem, Samples anderer Arbeiten in die eigene Kunst einzubauen. Warum sollte das dem jungen Filmemacher Yony Leyser also verboten sein. Nein, „A Man Within“ leidet an ganz anderer Stelle: es fehlt an durchdachter Dramaturgie. Es reiht sich scheinbar wahllos ein Kapitel ans andere. Entweder hätte der Film eine klar Storyline gebraucht, oder es der schönen Episode von Jello Biafra (Chef der Punkrock-Band Dead Kennedys) gleich tun sollen:

Der stand bei einem von William S. Burroughs beeinflussten Sont-Text vor seinen Ideen und kam nicht weiter. Die Einsicht kam schlussendlich, dass er es dem Meister einfach gleichtun sollte, und das Cut-up-Verfahren anwenden sollte. Er zerschnitt also alle Zeilen und verschob sie so lange, bis irgendwie etwas sinnvolles entstand. Eine Cut-up-Story wäre auch im Film passend gewesen – weder dies, noch eine echte Dramaturgie zu haben, schadet dem ansonsten durchaus interessanten Film allerdings ziemlich.

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