Mann im Schatten

Es klingt fast wie eine Drohung: „Wir sind die Unerkannten. Rechnet mit uns.“ Und doch ist es das Ende einer eher nach Sekte klingenden Vision von Heile-Welt-Aufruf. Es handelt sich um einen offenen Brief an die Welt – die digitalisierte Welt, die so viel Geld und Wohlstand gebracht habe, aber auch an einem Informationsabgrund stehe.

Ein Ausweg aus der Sackgasse kommt unerkannt, erklärt der Autor. Es wird nicht explizit ausgesprochen, soll aber wohl um die Blogger, social medial publizierenden Medienjournalisten und dergleichen mehr gehen, die wachsam sein sollen und ihre Position, sowie die Möglichkeit des Netzes, für eine Gegenöffentlichkeit nutzen sollen.

Schön und gut, klingt so sinnvoll wie naiv und erinnert frappierend an den Blog-Hype vor zehn Jahren. Graswurzeljournalismus wie nie zuvor, kritische Gegenöffentlichkeit, Informationen so unglaublich direkt. Daraus geworden ist allerdings wenig. Jetzt könnte mit Twitter, Facebook, Tumblr und Co natürlich alles anders werden. Das Problem hat aber schon vor über 2.000 Herr Platon erkannt: die direkteste Form der Demokratie kann die größte Ungerechtigkeit werden, da sie nicht von einer – hoffentlich reifen – Instanz kontrolliert wird. Wenn der Anonymous-Autor Recht hat (was absolut wünschenswert ist), ist seine Vision gut. Wenn nicht, schwingt in der unerkannten Masse vor allem unschöne Erinnerung an vermummte Gestalten mit, die bisher eher selten das Glück der größten Zahl im Sinne hatten.

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