Mann im Schatten

Wenn das norwegische Musik-Phänomen Ulver mal live zu sehen ist, greifen so profan besetzte Begriffe wie „Auftritt“ oder „Performance“ nicht. Das versteht sich von selbst, denn wer in seiner Karriere vom Black Metal zum Trip Hop zum elektronischen Soundtrack gekommen ist und nebenher noch eine Vertonung von William Blakes THE MARRIAGE OF HEAVEN AND HELL veröffentlicht hat, steht für mehr als nur ein Konzert. Das fordert der Fan, das fordert Ulver-Chef Garm aber wohl auch selber.

Entsprechend ist der erste Auftritt in Deutschland, am 08.02.2010 auf der Berliner Volksbühne, ein Anlass zum Vorab-Begeistertsein. Auf den Stufen der Kultur-Einrichtung versammeln sich Metaller, Beschlipste und vieles dazwischen – bereit, sich von Projektionen, Sound-Kaskaden und dem introvertiert hauchenden Ulver-Chef Garm bewegen zu lassen.

Ulver live

Ulver live - (c) metal-hammer.de

Die Inszenierung schwingt sich während der ersten Songs schnell hinauf, während eine projizierte Wildkatze unter der brennenden Sonne Afrikas in Zeitlupe ein junges Zebra erlegt. Das gleißende Gegenlicht erzwingt die Projektionen als Fokalisationspunkt und verortet das Bühnengeschehen erfolgreich irgendwo im Äther multimedialer Installation mit Live-Musik.

Und doch wird schnell klar, dass Garm sich zwar hehre Ziele gesteckt hat, leider seinen Weg aber nicht konsequent genug zu Ende geht. Manche Projektion wirkt zu beliebig, manche Collage verpufft in emotional seichtem Unverständnis. Optisch ähnlich gelagerte Gigs wie die von Enslaved oder The Ocean haben längst gezeigt, was heutzutage auch mit kleinem Budget erreicht werden kann.

So bleibt ein Abend mit großartiger Musik, der ehrbare Anspruch selbst aufgelegter Großartigkeit – und final das Scheitern an der eigens zu hoch gelegten Messlatte.

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4 Responses to “Ulver – wenn großartige Kunst am eigenen Anspruch zerschellt”

  1. Kristin

    Interessanter Konzertrückblick, bei der Recherche sind mir noch enttäuschtere Meinungen begegnet. Mir blieb dieses Event noch einige Zeit im Gedächtnis hängen. Nachwirkungen haben Ulver sich nicht nur bei mir hinterlassen.

  2. admin

    Hast du diesen Verriss gelesen:

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0210/feuilleton/0071/index.html

    Mir wurde gesagt, dass der Autor eigentlich ein guter ist. Der Artikel hingegen geht gar nicht, denn trotz einiger Schwächen war es ein wirklich interessanter und anderer Abend, als sonst bei Konzerten…

  3. kristin

    Der Autor hat ein Ulver-Konzert mit einem Konzert von Celine Dion verglichen …
    Die besagte Berliner Tageszeitung zählt nicht gerade zu den höchst bedeutenden und Weg weisenden Blättern, die Musikfachpresse hat anderes über Ulver berichtet.
    Ich würde den Verriss nicht allzu ernst nehmen, zumal er sich weniger auf die Musik und mehr auf das Visuelle bezieht.

  4. admin

    Auf keinen Fall sollte das zu ernst genommen werden – aber es zeigt, wie schlecht die Presse teilweise zu dem Thema war…

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