Mann im Schatten

„Die da oben haben von Mitarbeiter-Motivation doch keine Ahnung.“ Ein Satz, der gerade in Zeiten der Krise noch deutlich öfter als sowieso schon durch die Etagen der kleinen Angestellten geistert. Gemeint ist natürlich etwas ausgesprochen Negatives, denn der kleine Angestellte fühlt sich nicht wohl, nicht ernstgenommen, fühlt sich zur Manpower, zur Statistik, zum Nichts degradiert.

Chefs müssen aber auch gar nicht motivieren, behauptet jetzt John Roulet, Autor von THE SUPERVISION SOLUTION (2009) auf Forbes.com. Auf den ersten Blick spricht er den zum Klischee stilisierten feuchten Traum so manches Schlipsträgers aus – der kleine Angestellte als gesichtsloses Massenteilchen, das mal nicht aufmucken soll.

Ein Schuh wird auf den zweiten Blick draus. Der kleine Angestellte solle nur deshalb nicht motiviert werden, weil das gar nicht nötig sei, wenn er nicht vorher demotiviert würde. Nahezu jeder Mensch habe einen Drang danach, seine Aufgabe gut zu machen, sei beim Neuantritt einer Stelle motiviert – nur lasse beides mit der Zeit nach. Und genau das ist der Punkt, an dem die Mitarbeiter anfangen zu schimpfen, nicht wieder oder genug motiviert zu werden.

Was Autor John Roulet meint, ist im Endeffekt so einleuchtend, wie sinnvoll: kümmert euch nicht um die Symptome einer Krankheit (Demotivation auf der Arbeit), sondern um die Erreger, die erst zu dem Symptomen führen. Lasst es gar nicht erst so weit kommen, dass es mangelnde Motivation gibt. Das werden die vom kleinen Mann gern geschassten oberen Etagen nicht gern hören, denn mangelnde Motivation kann im Zweifel durch ein paar halbgare Zuwendungen kaschiert werden – die graue Masse der Arbeiter aber wirklich ernst zu nehmen, ihre Arbeit interessant zu halten, ihre Motivation zu erhalten ist ungleich schwerer.

Die These von John Roulet fußt zwar auf einer wackligen Prämisse und ist damit wissenschaftlich angreifbar– denn wieso sollte jeder Mensch mit einem Drang nach Qualitätsarbeit ausgestattet sein, anstatt sich lieber einen lauen Lenz machen zu wollen? Das Ergebnis ist aber definitiv interessant und sollte in das ein oder andere Meeting zur Qualität der eingesetzten Arbeit einbezogen werden. Gerade in Zeiten der Krise, in denen zu viele Teilchen der grauen Masse das Gefühl haben, wehrlosen dem Mahlstein der großen Kapitalismus-Schacherer ausgeliefert zu sein.

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