Mann im Schatten

Dass Arbeitgeber mittlerweile fast nur noch den perfekten Arbeitnehmer mit 1.000 Praktika, Einser-Abschluss und Unfruchtbarkeits-Bestätigung suchen, ist bekannt. Kein Grund sich aufzuregen. Wenn man es aber dann plötzlich noch mal fett gedruckt sieht, kommt bei einer solchen Dreistigkeit trotzdem wieder die Galle hoch.

Radio Köln sucht einen Redakteur. Per großer Anzeigen schwarz auf gelb im Journalist. Ein Auszug:

Ihr Profil:
- blabla
- selbstständig, souverän und sicher in sämtlichen redaktionellen Tätigkeitsbereichen,
- für die Arbeit als Radioredakteur/-in, Onlineredakteur/-in, Moderator/-in sowie Reporter/-in einsetzbar,
- perfekt in der digitalen Studio-Selbstfahrtechnik,
- flexibel und belastbar
- usw.

Auf Deutsch: Er soll alles machen, davon auch noch richtig viel, alles perfekt und möglichst alleine – er soll also ein Multimediakanal in Personal-Union werden. Wie wäre es, wenn ein so großer Sender wie Radio Köln sich mal etwas einschränkt, was für eine Stelle sie eigentlich besetzen wollen. Oder dürfen potenzielle Bewerber annehmen, dass die Vergütung dem abzusehenden Stress auch nur entfernt gerecht wird? Sehr zu bezweifeln.

Vielleicht würde es auch nicht schaden, wenn der Bewerber Raketen bauen und mit Steve Jobs auf du wäre? Bewerber sollen natürlich qualifiziert sein, alles andere wäre Unsinn, aber nach Perfektion und Universalität in dieser Größenordnung für einen einfachen Redakteursposten zu suchen, ist schon einiges.

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“…and if you don’t know what drunk is come down there and look at me and when you come bring some jack because I am on a credit”

William Faulkner, PYLON, die letzten Worte der Geschichte. Kein Punkt, nur ein Ende.

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Wild Wedding Party in Berlin

Im Betonkeller der Wild Wedding Party in Berlin

Regeln brechen ist Rock’n'Roll. Ist klar. Manche Regeln sind aber durchaus sinnvoll und gehören zum notwendigen Grundhabitus einer Live-Band. Allergrundlegenste Regel: nenne den Namen deiner Band mehrmals, falls du nicht ohnehin der strahlende Headliner von Weltrang bist. Ein Grundsatz, der sich anscheinend immer noch nicht bis zu jeder Band rumgesprochen hat.

Während der ersten Wild Wedding Party 2011 spielten diverse Bands im kellerbetonierten Areal der Brunnenstraße 70. Eine davon war richtig gut, die klassische Perle eines Auftritts, von dem man vor der Party eigentlich gar nichts wusste: voller Energie, Liebe, Herz, 90er Esprit. Wie die Band hieß, die das gesamte Publikum zum tanzen brachte? Das klärte sich erst nach der Show durch direkte Nachfrage: Paula i Karol. Warum sagen sie das nicht? Warum machen sie keine Werbung für ihre Band, wenn doch gerade ein neues Album rausgekommen ist, das auch Irgendjemand anwesendes verkaufen sollte?

Anders die folgende Band. Sie spielt, die Leute tanzen anfangs noch, doch der Gymnasiasten-Rock mit Ska-Ansatz ist so spannend wie eine Steuererklärung. Nach drei Songs ist die Bewegung im Publikum raus, der Applaus ebbt ab, das Publikum wandert in den DJ-beschallten Saal. Auch diese Band nennt ihren Namen nicht. Gut so, denn die Volkskind betaufte Band braucht niemand.

Trotzdem, liebe Bands, macht eure Hausaufgaben! Auch einer polnischen Bands schaden Fans in Berlin nicht.

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Wer sich bei journalistischen Formen speziell fürs Internet umschaut, stößt immer wieder auf die Audioslideshow. In Journalistenschulen wird sie heiß gehandelt, das nächste große Ding, super aufregend und sehr webbig. Wenn man mal rumfragt, wer auf User-Seite eine Audioslideshow mag, wird sich wundern, dass kaum bis keine Fürsprecher zu finden sind.

Der Grund dafür könnte laut Felix Seuffert darin liegen, dass die meisten Audioslideshows nicht präzise genug sind, nicht gut genug geplant und durchgeführt sind. Das erzählte er jedenfalls dem Journalist. Und eigentlich müsste Felix es wissen, denn er gewann für eine Slideshow den Reporterpreis 2010. Sein Beitrag über einen Fußball-Torwart in Südafrika ist auch deutlich besser, als die meisten anderen – schwimmt aber auch deutlich näher am Video, als die bisher bekannte Version der Form.

Die Macher des Reporterpreises haben zu ihrer eigenen Veranstaltung auch gleich eine Audioslideshow gebastelt. Vielleicht hätten sie besser mal die von ihnen selbst prämierte Arbeit genau ansehen sollen, denn sie machen selber alles falsch – was für eine Jury irgendwie diskreditierend wirkt. Wer möchte sich diesen vollkommen ziellos zusammen geschnibbelten Beitrag wirklich bis zum Ende ansehen?

In dieser – leider momentan als Standard auftauchenden – Form bleibt die Audioslideshow überschätzt und überflüssig. Grund: sie ist unverstanden. Oder doch einfach nur unnötig?

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Flugreise mit Hindernissen

Flugreise mit Hindernissen

Drei Menschen fliegen von Deutschland nach Australien. Hin- und Rückflug werden in einem Aufwasch vom gleichen Reisebüro für den jeweils gleichen Termin gebucht. Genau, wie gewünscht. Auf das Büro ist schließlich Verlass. Es hat schon diverse internationale Reisen für die Beteiligten gebucht. Was passiert dieses Mal?

- Die Rail-and-Fly-Gutscheine werden erst nach mehrmaligem Nachfragen geschickt.
- Auf dem Hinflug sind die reservierten Plätze nicht reserviert.
- Auf dem Rückflug stimmt plötzlich das Datum eines einzelnen Fluges nicht mehr.
- Die bezahlten Rail-and-Fly-Gutscheine für die Rückfahrt sind nicht gebucht.

Außer dem ersten Punkt fällt natürlich alles erst vor Ort auf. Nicht gerade, was die Drei von ihrer Reise gewünscht haben. Wie konnte das passieren, wenn das Reisebüro sonst doch immer alles zur vollsten Zufriedenheit erledigte? Menschliches Versagen, aber wo kommt es her?

- Allgemeine Verwirrung eines Einzelnen?
- Überforderung wegen Personalmangel?
- Unfassbare Zufälle?

Es kann Zufall oder etwas ganz anderes sein, doch es kommt irgendwie bekannt vor: man geht zum kleinen, unabhängigen Fachmann, anstatt zum großen Zentralanbieter. Der ist vielleicht etwas teurer, aber persönlich betreuend einfach besser. Teurer bedeutet aber auch weniger Kundschaft bedeutet weniger Geld bedeutet weniger Personal bedeutet mehr Arbeitsintensität für Einzelne bedeutet höhere Fehleranfälligkeit bedeutet weniger Kundschaft. Und alles geht wieder von vorne los.

Warum sollte es bei Reisebüros prinzipiell anders sein, als bei Elektro-Läden, Sportgeschäften, Bäckereien, etc.? Da darf man kurz mal ein wenig system-überdrüssig werden.

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Schnee überall - bis nichts mehr fährt.

Schnee überall - bis nichts mehr fährt.

Momentan über Schneechaos zu schreiben, ist irgendwie cheasy. Klingt nach offensichtlichem Winterloch in der Vorweihnachtszeit. Aber was in manchen Blogs so an Winter-Alltags-Wahnsinn zu lesen ist, ist schier unglaublich. Beispiel?

“I was hard to compete with the french guy that offered the taxi driver 300 euros to take him back. Or the two japanese guys that offered 600 (each) to get driven to brussels. They offered me to join. Thank you but no thank you.” (Quelle: Miss Emlid)

Klingt extrem surreal. Wer kapert welches Taxi? Aber irgendwie ist es falschrum. Piraten nehmen Geld, und lassen keine Unsummen beim sommerbereiften Gleitautofahrer. Verrückte Winterwelt.

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Wikileaks: Chance oder Todeszeichen des Online-Journalismus?

Wikileaks: Chance oder Todeszeichen des Online-Journalismus?

Die aktuelle Wikileaks-Affäre geht hauptsächlich um den Gründer der Seite, Julian Assange. Dabei liegen durch Wikileaks genügend Rohdaten vor, um noch und noch und noch eine Enthüllungsgeschichte zu schreiben. Warum kommt da nichts, außer, dass Julian Assange gejagt, verhaftet, wieder frei ist?

Genau das fragt sich auch Mehmet Toprak auf netzwelt.de und kommt in seinem Kommentar dazu, dass der Geschichte ein Versagen des Online-Journalismus zugrunde liege. Ein durchaus interessanter Kommentar…

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Sieht so Weihnachten aus?

Sieht so Weihnachten aus?

Das Weihnachts-Bild lockt den meisten von uns ein Seufzen aus der gestressten Brust: während draußen der Wind ungemütlichen Schnee gegen die Fenster drückt, duftet es drinnen nach den frisch gemachten Plätzchen, der Tee steht auf dem Tisch, es wird gelacht, alle sind gut gelaunt.

Die Wirklichkeit bringt die meisten von uns in Verlegenheit: der Wind drückt ungemütlich Schnee ins Gesicht, während man Richtung der muffigen Ubahn eilt. Die Fahrgäste sind krank, die Arbeit stapelt sich auf dem Schreibtisch, alle sind gestresst. Und dann auch noch Geschenke besorgen…

Als Kind fragte ich meine Mutter regelmäßig Anfang Dezember, wie lange es noch bis Weihnachten sei. „Drei Wochen.“ Kaum vorstellbar, dass es so lange Zeitintervalle überhaupt geben kann!, dachte ich. Jetzt stehen wir da: in drei Wochen ist schon wieder Weihnachten? Ne, stimmt nicht. In zehn Tagen.

Nach Tee und frischen Plätzchen duftet es auch viel zu selten.

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Die tagesthemen - das Flaggschiff deutscher Nachrichten im TV

Die tagesthemen - das Flaggschiff deutscher Nachrichten im TV

Am 07.12.2010 sendet die ARD zum 1.000sten Mal die tagesthemen. Die 1978 zum 1. Mal gezeigte Nachrichtensendung gehört für Viele zu den besten und wichtigsten Nachrichtensendungen der deutschen Fernsehlandschaft – da kann man also eigentlich nur gratulieren.

Vor allem, wenn man sich die eher traurige Konkurrenzlandschaft im deutschen Nachrichtenfernsehen ansieht. Aber das ist ein anderes Thema…

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Der "nostalgische Weihnachtsmarkt" in Berlin

Der "nostalgische Weihnachtsmarkt" in Berlin

Eigentlich kann Berlin immer alles fast am Besten von Allen. Vor allem, wenn es ums Feiern geht. Sollte das bei Weihnachtsmärkten etwa anders sein? „Die Märkte hier in Berlin taugen nicht viel,“ hieß es kürzlich. Das wäre schade, denn so klischeebehaftet und kitschig die Märkte oft sind, so sehr gehört es zum romantisch verklärten Weihnachtsmärchen dazu, an das man sich in der frostkalten Zeit zumindest im Dezember noch klammern kann.

Also Probe aufs Exempel. Jahrmarkt am Alex braucht natürlich niemand. Den „nostalgischen Weihnachtsmarkt“ ums Opernpalais braucht trotz weniger netter Stände niemand. Gendarmenmarkt soll gut sein, hieß es, ist aber auch recht klinisch. Hätte so ähnlich auch in München stehen können. Sollte man in Berlin nur niemanden sagen. Dabei haben beide Märkte eine traumhaft passende Kulisse.

Nachdem um kurz nach 22h schon alles dicht gemacht wird, bricht der Test ab. Im Kalten. Viel zu nüchtern. Ohne Spekulatius. Hat sich Santa etwa doch noch in Nürnberg, München oder Köln aufgehalten? Oder sind Berliner in diesem Punkt tatsächlich mal Opfer ihres selbstgewählten Images der rumpeligen, nichtgruppenfeierischen Grundstimmung? Oder sind die sinnvollen Märkte doch dort, wo nicht auch noch alle Touristen hinrennen? Jagdschloss Grunewald vielleicht? Mitten im Wald?

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