Mann im Schatten

Der Terminator terminiert bald in Fake-3D

Der Terminator terminiert bald in Fake-3D

Die neu ausgegrabene und verfeinerte 3D-Technik hat nicht nur bei Animationsfilmen prima funktioniert, sondern auch bei Horror-Schockern wie FINAL DESTINATION 4 oder MY BLOODY VALENTINE. Doch erst AVATAR hat die Kassen wirklich vollgespült, so dass manche Regisseure noch schnell ihre gewöhnlichen 2D-Produktionen postproduktionstechnisch aufgemotzt haben.

Hat sich niemand gewundert, warum Tim Burtons ALICE IN WONDERLAND optisch doch nicht so wirklich überzeugen konnte, warum CLASH OF THE TITANS selbst im angeblichen 3D-Look (mit Verlaub) noch beschissen war? Entweder man produziert auf 3D, oder eben nicht. Aber Nachbearbeitung klappt nicht. Das ist so, als wolle man alte Mono-Aufnahmen auf Dolby Digital pimpen. Gibt das Material halt nicht her.

Und wurde aus dem Ergebnis gelernt? Nein. LORD OF THE RINGS wird nachträglich um eine Dimension erweitert, TITANIC und TERMINATOR 2 auch (Quelle: kino.de). Ganz toll. Der Fan wird also für einen längst auswendig gekannten Film ins Kino gelockt, um dann mit zweitklassiger 3D-Optik gelangweilt zu werden.

Immerhin: finanziell wird es klappen. Wer will sich schon die Möglichkeit entgehen lassen, mit Strider gegen Orcs zu kämpfen, mit Sarah Connor der Maschinenherrschaft den Boden unter den Füßen zu entziehen?

Verfilmungen der Stieg Larsson Trilogie

Verfilmungen der Stieg Larsson Trilogie

Irgendwie war es ein Phänomen: Die MILLENIUM-Buch-Trilogie von Stieg Larsson wurde trotz ihrer Länge zum Topseller, der erste Film (VERBLENDUNG) der dreiteiligen Verfilmung punktete mit einer ruhigen aber tiefgründigen Regiearbeit von Niels Arden Oplev, die dem Film absolute Klasse gab.

Aufgeregt gingen Viele in den zweiten Film (VERDAMMNIS). Regie: Daniel Alfredson. Der Film war anders, weniger kalt, weniger unnahbar, gewöhnlicher, langweiliger.

Um die Trilogie zu beenden, wandern doch noch ein paar Tapfere in Teil Drei (VERGEBUNG). Man soll ja beenden, was man angefangen hat. Regie führte wieder: Daniel Alfredson. Erwartung: gering. Hoffnung kommt aus der Nachbarbank: „Vielleicht ist das wie bei HERR DER RINGE. Erster Film toll, zweiter lahm, dritter super!“ Nette Idee, stimmt leider nicht im Falle Stieg Larsson. Ganz netter Film, ein ätzendes Ende mit noch und noch und noch was obendrauf – das braucht doch niemand.

Schade in doppelter Hinsicht:

- Die klasse Buchvorlage wird durch die unbefriedigende Verfilmungen in Vergessenheit geraten.
- Der großartige erste Film-Teil endet in künstlerischer Hinsicht im Nichts.

Muss doch nicht sein.

Serj Tankian live

Serj Tankian live

Bevor Serj Tankian, der ehemalige Sänger von System Of A Down, am 30.06.2010 im Berliner Admiralspalast auftrat, schaffte er seinen neuen Song „Borders Are“ ins Internet. Der Song ist ein Ausblick auf das kommende Album IMPERFECT HARMONIES und steckt den Rahmen eines Konzertes mit Sonderfallcharakter ab. Im als Text genutzten Gedicht singt der Armenier:

“Borders are the ultimate man-made walls separating and differentiating us beyond our cultures, beyond our beliefs, beyond economic hierarchies.


Borders are subjective, unnatural lines drawn by humans delineating land, water, and air for partisan collective utilization.


If borders were natural, other animals, in fact, all beings would be bound by them.


Obviously, they aren’t.


Indigenous cultures never recognized borders, cognizant of the fact that the land owns us and not the other way around.


Borders lead to war, occupation, and bigotry, even genocide.


Worst of all, borders are a deceptive, yet constant reinforcement of the notion that we are alone, separate from each other and all things around us.”

So vehement wie im Text setzt er sich auch im Konzert gegen Grenzen ein. Musikalisch: Rock, Metal, Disco, Klassik, Jazz, Weltmusik. Alles da. Im Publikum: Metaller und Gothics, Rocker und Anzugträger, Alternative und Gesetzte.

Und führt das jetzt alles ins orientierungsfreie Niemandsland oder in die vom Meister im weißen Anzug propagierte tolle Welt? An diesem Admiralspalastabend geht es klar in letztere Richtung: 75 Minuten lang verzückt Serj Tankian sein Publikum. Eine Show, ein Ambiente, eine Begeisterung, die man nur selten findet!

Blöd ist, wenn…


June 27th, 2010

…man den ganzen Schuhschrank voller Sneakers hat und nach einem abendlichen Sommerspaziergang plötzlich merkt, dass man Turnschuhe eigentlich nicht mehr sonderlich mag. Hoffentlich kann ein nächster Rundgang das wieder richten.

Die schlimmsten Schuhe für Männer - Loafer

Die schlimmsten Schuhe für Männer - Loafer

Einen Artikel wie „On My Soapbox: Summer Footwar“ von Andrew Williams zum Thema Flipflops zu lesen, macht einfach Spaß. Herrlich, wie der Stil-Jünger sich über das mittlerweile modisch akzeptierte Freizeit-Schuhwerk aufregt und dabei gleich noch die Unappetitlichkeit vor allem männlicher Füße beschreibt. Ekel und Abscheu siechen durch seine Worte – und sprechen mir teilweise durchaus aus der Seele.

Das Problem: Wer meckert, muss auch Alternativen bieten. Wie jeder Apostel klassischer Gentleman-Mode kommt Andrew Williams sogleich mit Loafers an. Genau das ist der Moment, an dem umgekehrt gewütet werden muss. Da können die Brechreiz verursachenden Schuhsünden noch so sehr aus Italien oder London kommen und unbezahlbar teuer gewesen sein – die eklatant nach Yuppie im Indianer-Wahn aussehenden Schuhe sind so unfassbar hässlich, wie blass-fliederne Polo-Hemden mit hochgestelltem Kragen. Schön, dass die Füße darin nicht zu sehen sind und trotzdem hoffentlich einigermaßen wenig stinken – Loafers gehören zu den schlimmsten Schuhen, die Männer tragen können. Stil hin oder her. Ungefähr genauso schlimm, wie Flipflop-Stiefel momentan für Frauen.

Wer meckert muss Alternativen anbieten? Mist. Sommer ist schlicht und ergreifend keine gute Zeit für Männerfüße.

Eine lustige Nachricht gondelt da gerade durch die News-Spähre und hat auf welt.de schon den Titel bekommen: „Malysia sucht den Super-Imam“. Dahinter verbirgt sich tatsächlich, was der Titel verspricht: eine malaysische Casting-Show für den nächsten Imam. Wir suchen Popstars, die suchen Imame.

Warum suchen wir eigentlich keine Bischöfe per Casting-Show? Immerhin liefen wir mit unserer Lena gar nicht schlecht – und könnten dann auch mit entscheiden, welche Kirchenheinis wir gerne hätten, anstatt die Mixas dieser Welt vorgesetzt zu bekommen.

Gar nicht mal so dumm, die Malaysier.

Die WM 2010 in Süd Afrika

Die WM 2010 in Süd Afrika

Schaltet man heute die Nachrichten an, kommt als erstes die Meldung, dass Deutschland ja gegen Serbien verloren habe. Verloren ist noch nichts, der Nationalstolz ist trotzdem angekratzt. Muss man erst mal ansprechen. Während des Spiels, so heißt es zu Recht weiter, sei Deutschland beinahe eingefroren – überall sei Fußball geguckt worden. 13.30 – 14.15.

So weit so prima. Ist ja schön, dass mal wieder alle Welt vereint ist. Trotzdem lockt es, polemisch gegen den miteifernden Pöbel zu polemisieren, die geifernden Fans am Tresen, die selber nicht mal geradeausjoggen können, anzugreifen. Immerhin besser, als eine Stil-Kolumne zu schreiben, die vor lauter WM niemand lesen will.

Und doch: gegen die WM zu wettern ist fad. Die Welt dreht sich weiter. Klar. Die Probleme lösen sich nicht einfach auf. Auch klar. Trotzdem ist es schlicht schön zu sehen, dass viele Menschen endlich mal wieder gemeinsam feiern, anfeuern, mitfiebern. So darf einem Fußball generell und die WM im Besonderen gern am Arsch vorbeigehen – es ist gut, dass sie mal wieder stattfindet.

Eigentlich interessiert es mich ja nicht mal ein bisschen, trotzdem bin ich gespannt, ob Deutschland im 3. Gruppenspiel wieder so bescheiden ackert, wie jetzt gegen Serbien.

Kürzlich erzählte eine bekennende 50s-Fanin in Berlin, wie oft sie dämliche Sprüche von Rockabillies bekomme, weil sie ein Zungenpiercing habe. Das sei ja gar nicht authentisch. Nach längerem fällt der Groschen: totale Identifizierung mit der geliebten Zeit und in den 50s gab es doch gar keine Zungenpiercings. Möglichst originalgetreue Nachbildung der Zeit wird aber zu jeder Situation des privaten Lebens erbeten. Ergo: keine Authentizität. Dass sich die Reinheitsgebotshüter zwar mit dem Handy zum Date verabreden, im Internet neue Requisiten bestellen und ihr Auto Baujahr 2004 ist, darf kurz mal am Rande bleiben.

Elvis - kein Ritter und mit Sicherheit ohne Zungenpiercing

Elvis – kein Ritter und mit Sicherheit ohne Zungenpiercing

Sowas kennt man eigentlich nur von Ritter-Festspielern, Wikinger-Clans, Germanen-Horden, die sich darüber streiten, ob der verdammte Helm nun in die dargestellte Epoche passt, bevor der nächste Markt-Besucher nach einem Zeiteisen (einer Uhr) oder einem Taschendrachen (ein Feuerzeug) befragt wird. Wo bleibt da der Spaß? Zählt nicht der gute Wille, ein wenig in die fremde Zeit einzutauchen und dort Spaß zu haben?

Anscheinend nicht.

Vielleicht sind Ritter-Festspieler in Berlin ja als Rockabillies getarnt. So viele Burgen gibt es hier ja nicht…

SPLICE-Filmplakat

SPLICE-Filmplakat

Ein seltsamer Samstag-Abend: es ist WM-Zeit, da erst der 2. Spieltag ist, sind noch alle heiß drauf, doch im Kino lockt auch der neue Vincenzo Natali Film SPLICE. Kurzer Rückblick: Mit CUBE (1997) hat der kanadische Regisseur Independent-Kino-Geschichte geschrieben, CYPHER (2002) hatte alle Fans glücklich gemacht und die Komödie NOTHING (2003) zwar durchaus verwundert, aber auch vollkommen überzeugt.

Jetzt dann also SPLICE – ein Gen-Experiment-Film, in dessen Besprechungen auch durchaus mal der Name Cronenberg fällt. Im Kino ist es erstaunlich voll. Erstaunlich, weil halt grad WM ist. Filmstart, überraschend unernste erste Minuten, macht Laune. Dazu eine nachvollziehbare Geradeaus-Story mit Adrien Brody und Sarah Polley in den Hauptrollen. Immer wieder schaut in der humorigen Inszenierung ein kleiner Ekelmoment a la Cronenberg auf, doch viel passiert nicht.

Am Ende wird es dann doch eklig. Da wird auch mal eine Frau vom Gen-Experiment-Wesen vergewaltigt. Man sieht nicht viel, unschön ist es trotzdem. Als der Film vorbei ist, springt gleich der Erste auf. „Der Film war ja nicht nur mies und billig, sondern auch noch ekelhaft,“ flucht er. Eine Reihe dahinter wird er still und leise ausgelacht. Dort sitzen Natali-Fans und fühlen sich bestens unterhalten.

Eigentlich also wirklich wie bei David Cronenberg. Mies, ekelhaft und doch so unterhaltsam. Und auch irgendwie Kunst, da hier so schön mit Genre-Konventionen gespielt wird. Wobei über den Kunst-Begriff an anderer Stelle durchaus diskutiert werden sollte.

Big Lebowski, eine Art Hänger-Gentleman

Big Lebowski, eine Art Hänger-Gentleman

Winston Chesterfield hat einen interessanten Artikel veröffentlicht, dessen Haupt-Aussage eine Abrechnung mit all den Männern ist, die sich einfach nicht mehr um ihr Äußeres kümmern. Ausreden: bin zu alt, bin zu fett, warum soll ich eigentlich noch gut aussehen wo doch alles gesettelt ist.

Schlimm ist das, meint Chesterfield und wendet sich zufluchtsuchend an den Mann, der gerade im Alter erst zum Inbegriff des Gentleman geworden ist: George Clooney. Alt werden muss also nicht schlimm sein. Was sollten wir aber tun, wenn wir alt werden? In Paranoia vor dem eigenen Verfall es Patrick Bateman (AMERICAN PSYCHO) gleichtun und trainieren, peelen, massieren – dem Traum der ewigen Jugend nachhaschen? Sollen wir uns Hometrainer kommen lassen wie George Clooney? Haben wir Zeit, Motivation und Geld genug dafür?

Oder haben die faulen Säcke alle Recht, weil sie ein relaxtes Leben führen? Wer trägt zuhause nicht gern die Schlabberhose, das ausgewaschene Shirt, kurz alles was relaxt ist? Wenn das am Samstag schön ist, ist es doch auch in der Woche schön – wenn der Job es zulässt.

Das Schlimme: beide Seiten sind nachvollziehbar. Es ist teilweise wirklich schlimm, wie ausgekotzt manche Menschen rumlaufen. Etwas mehr Augenmerk auf das eigene Äußere wäre schön. Etwas Sport, etwas gesunde Ernährung, etwas passender Kleidung. Andererseits gibt es schon jetzt so viele Mode-Opfer, oberflächlich aufs Aussehen fixierte männliche Püppchen, dass wir da gar nicht noch mehr brauchen. Und seien wir ehrlich: die „etwas mehr, etwas gesunder Menschenverstand, etwas mehr goldene Mitte“-Nummer funktioniert ja doch nicht. Wir neigen einfach zu schwarz oder weiß, 1 oder 0.

Kurz noch mal auf den Gentleman zurück geblickt: der kommt ohnehin nicht vom Äußeren. Entweder jemand ist ein Gentleman, oder nicht. Die Gentlemen in Lebowksi-Optik sind sowieso selten, so dass die meisten schon einigermaßen auf ihr Auftreten achten. Also gibt es auch keinen Grund, von all den anderen Menschen angenervt zu sein, die nicht versuchen einem Mode-Ideal hinterher zu hechten. Style ist prima. Als Selbstzweck aber schlicht und ergreifend lächerlich.

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