Mann im Schatten

Die Gewerkschaft der Polizei fordert 2.000 neue Angestellte – und zwar besondere. Cybercops sollen das Internet durchforsten. Das sei laut dem Gewerkschaftsvorsitzendem Rainer Wendt nämlich der „größte Tatort der Welt“.

Dass im Internet viele krumme Geschäfte, Gesetzesverstöße und schwere Verbrechen stattfinden und organisiert werden, ist klar. Die Forderung daher auch grundsätzlich verständlich. Eine Gefahr sieht Bundesjustizministerin Brigitte Zypries jedoch darin, dass man doch „keine Zensurbehörde für das Netz etablieren“ wolle (Quelle: tagesschau.de). Eine viel größere Gefahr lauert allerdings an ganz anderer Stelle – nämlich in der schleichenden Umdeutung der Begriffe.

Wie der Blogger Sirdoom sehr richtig kommentierte, ist ein Tatort nämlich „die Örtlichkeit, an der eine Tat begangen wurde, die den Tatbestand einer Straftat oder Ordnungswidrigkeit erfüllt oder bei der ein Verdacht hierzu besteht.“
Das Internet ist aber kein Tat-ORT, sondern eine virtuelle „Nebenwelt“. Es kann also prinzipiell nicht mit den gleichen Begriffen operiert werden, so dass die Begründung, das Internet sei der größte Tatort der Welt schlicht und ergreifend falsch ist, die Forderung also auf falschen Gründen ruht.

Wenn nun aber erst mal eingeführt, angewöhnt und akzeptiert wird, dass das Internet ein homogener Raum sei, der wie jeder andere behandelt werden könne, sind allen Homeland-Security-Abkommen der Welt Tür und Tor geöffnet. Und einmal eingeführt, wird sich niemand mehr daran stören, wenn solche Gesetze auf das gesamte Netz ausgedehnt werden. Es ist doch ein Ort – dieses Internet. Und ein gefährlicher noch dazu…

All das heißt nicht notgedrungen, dass Cybercops und neue Internet-Gesetze per se schlecht sind. Aber die Terminologie muss vorher gesichert werden, anstatt klar definierte und juristisch gebrauchte Worte plötzliche zusätzliche Dimensionen zuzuschreiben, die ihnen gar nicht angehören. Deswegen war es früher z.B. auch der gute Ton, vor jeder gewichtigen philosophischen Abhandlung die zu benutzenden Begriffe klar und nachschlagbar zu erläutern. Ohne das ist keine zwingende und logische Argumentation möglich.

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