Mann im Schatten

Wann genau ist es eigentlich chick geworden, Metal zu hören, gut zu finden und sich nicht dafür zu entschuldigen? Heavy Metal war immer Asi-Musik für die langhaarigen Bombenleger, die sich selber gern in die Rolle des Underdogs gerückt haben, nachdem sie gesellschaftlich eh nie für voll genommen wurden.

Und jetzt? Lemmy von Motörhead hat jeder respektiert, doch jenseits davon ging wenig. Bis sich nun plötzlich die Kulturseiten von zum Beispiel Zeit und Spiegel für Bands wie Immortal, Wolves In The Throne Room und Satyricon interessieren. Bis plötzlich die Schweinskopf-Werfer Mayhem in der Berliner Volksbühne spielen darf und die Öffentlich-Rechtlichen Berichte über das Wacken:Open:Air bringen.

Kluge Köpfe? Wolves In The Throne Room

Kluge Köpfe? Wolves In The Throne Room

Erstaunlich ist dabei, wie weit vorne Black Metal mittlerweile ist. Vor 15 Jahren wollten nicht mal die Metal-Medien das Eisen anfassen – Morde, Vergewaltigungen, Drohungen, Blut, Feuer und Schweineköpfe gingen einfach zu weit. Heute hingegen haben diverse Black Metal Bands genau den Ruf von großen Medien bestätigt bekommen, für den zum Beispiel Satyricon schon lange kämpfen: elitär zu sein. Intellektuell zu sein. Kunst und Inhalt zu sein und beides bedingungslos zu verfolgen – ausgedrückt durch kompromisslose Musik.

Feuilleton Metal könnte man das nennen, was auf Bands mit Inhalt auch zutreffen könnte. Wolves In The Throne Room zum Beispiel. Die Drone-Helden Sunn o))) zum Beispiel. Gorgoroth mit ihrem Nietzsche-Studium zum Beispiel. Aber warum behandelten dann diverse große Medien das letzte Immortal-Album ALL SHALL FALL (2009)? Muss mir erst mal jemand erklären (das Szenemagazin Metal Hammer wunderte sich auch schon darüber). Noch hohlere Musiker als Abbath (die Front-Krähe) und Co muss man erst mal finden. Oder wieso wird der durchaus vorhandene Humor von Endstille nicht entdeckt, sondern lieber geunkt, dass sie ja irgendwie deutschtümeln würden?

Wie viel steckt also dahinter, wenn plötzlich renommierte Medien über (Black) Metal berichten? Muss der Autor es als kulturell wichtig anfassen, um in den Augen der Leser eine Berechtigung für den Artikel zu bekommen? Oder ist diese Suche nach Berechtigung schon eine Art Perversion, geboren aus der „Schuld“, auch Metal zu hören? Oder glauben die Schreiber großer Blätter wirklich, dass die Feuilleton Metal Bands intellektuell so weit vorne sind, kulturell mehr zu bieten haben als ihre Vorreiter Anfang der blutigen Neunziger?

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