Mann im Schatten

Kürzlich hat Sirdoom einen Artikel darüber geschrieben, dass die Politik das Internet mit den falschen Worten belegt und als Ort, im Zweifel sogar als einen Tatort begreift. Ist es aber nicht. Das Internet ist kein Ort.

Damit hat er Recht, aber dieses Unterscheidungsproblem ist nicht nur Teil einer zweckgerichteten Polit-Polemik, sondern ein tiefer verwurzeltes Problem. Die meisten Menschen scheinen nicht nur willentlich zum pöbelndem Opfer der Internet-Anonymität zu werden, sondern es tatsächlich für eine digitale Anderswelt zu halten. Sie benehmen sich, als würden in dieser anderen Welt nun auch fundamental andere Regeln des Zusammenlebens gelten – und das ist die Ursache so vieler Probleme.

Dass viele User viel zu viele private Daten, Bilder und Meinungen in Social Networks rausgeben, machen sich potenzielle Arbeitgeber zunutze und durchleuchten potenzielle Arbeitnehmer. Ging früher nicht, weil man Privates aus der Sphäre des Geschäftsleben heraushielt.

Im Network darf man anscheinend auch stalken. Ist natürlich einfacher und damit verlockender, als im realen Leben. Und wenn man schon dabei ist, kann man auch mal drohen. Anonym versteht sich. Man kann sogar das reale Leben des anderen digital bedrohen. Ist doch nur das Internet, nicht das wahre Leben…

Jetzt heißt es in einem längeren Artikel auf zeit.de sogar, dass facebook das Beenden einer Beziehung erschwere, weil man ja bei facebook befreundet bleibe. Man kriege dadurch aber immer die Status-Updates des Ex mit, was das Beenden der Biezung so schwer mache.

Wie bitte? Wer sich real trennt soll nicht mehr die Kraft haben, auch digital auf diesen Button „Remove Connetction“ zu klicken? Das mache man schon deshalb nicht, um den Partner, pardon, ex-Partner nicht zu verletzen? Aber zum „wir müssen reden“ in der Realität reicht es? Und weiter: selbst wenn man die Freundschaft bei facebook beende, würde man durch den Freundeskreis ja noch was vom anderen mitbekommen. Ja und? Das ist zwar nicht schön, aber in unserer langweiligen echten Realität genauso. Wer gemeinsame Freundeskreise und z.B. Stamm-Bars, Lieblings-Discos oder oft besuchte Kinos hat, kann sich auch dort über den Weg laufen oder über gemeinsame Bekannte was mitbekommen.

Wo ist das Problem, die über viele Generationen entwickelten Eckdaten von Verhaltensregeln unserer Gesellschaft auch im Internet anzuwenden? Wer das nicht schafft darf sich nicht wundern, dass er im Netz stolpert. Denn so anders ist auch das Leben in facebook nicht. Es ist keine digitale Anderswelt, in der alles anders funktioniert und die zwischenmenschlichen Gesetze nicht mehr gelten würden.

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