Mann im Schatten

(c) Popkomm

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Der Musikindustrie geht es schlecht. Seit Jahren schon. Zuerst haben die Raubkopierer dem fetten Braten Ende der Neunziger Luft abgelassen, dann die Tauschbörsen im Internet das Verständnis von verfügbarer Musik auf den Kopf gestellt, und in den letzten Jahren p2p-Filesharing-Sites das bisschen Herrlichkeit zerstört, das der einst so reichen Musikindustrie geblieben war.

Kaputtzukriegen war die Branche bisher noch nicht, trotz diverser Label-Pleiten wie der von GUN Records (dort waren u.a. Bullet For My Valentine, Oomph! und H.I.M. unter Vertrag). Trotzdem sagen die Veranstalter 2009 die Popkomm ab – eines der wichtigsten Treffen in Branchenkreisen. Jeder kommt hin, weiß nicht genau warum, trinkt, dealt irgendwas aus, und verlässt Berlin letztendlich wieder mit dem guten Gefühl, sein Netzwerk erweitert zu haben und da gewesen zu sein, wo halt alle wichtigen Kollegen und Konkurrenten waren.

Die Messe selber ist meistens ein Pflichtbesuch, denn das wirklich Interessante geschieht abends am Tresen, nicht tagsüber zwischen den diversen Ständen, mit Kater im Gepäck.

Das ist 2009 nun nicht mehr so, denn es wird nicht nur die Messe mit seinen überflüssigen Ständen abgesagt, sondern auch das Musik-Festival drumherum. Und warum?
„Angesichts der anhaltend schwierigen Branchenlage hat die Popkomm GmbH in Abstimmung mit dem Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT) und dem Bundesverband Musikindustrie (BVMI) beschlossen, die Branchenplattform Popkomm für ein Jahr auszusetzen.“

Man ist also bockig. Es geht uns noch immer nicht gut wegen diesen gemeinen Internet-Piraten. Gehören eh alle in den Knast.

Und wem bringt diese Haltung etwas? Nach jahrelangem Rückgang der Verkaufszahlen und Zunahme der Downloads wird einfach blockiert, anstatt über den Status Quo und die Zukunft zu sprechen. Klar, das Geld ist nicht mehr da und eine Messe mit sündhaft teuren Standmieten kostet eine Menge, aber das geht doch auch im kleineren Rahmen.

Die Zeit der Großherrlichkeit ist vorbei, die Zukunft wird von kleinen, schlank aufgestellten, innovativen Playern gestaltet. Damit verdient man momentan nur schwer Geld – aber diesen Zustand ändert man nicht mit Blockade, sondern mit gemeinsamen Strategien.

2010 soll es wieder eine Popkomm geben. Dann wird also das Geld wieder da sein? Dann werden die jetzt als vermisst angenommenen  Fachbesucher wiederkommen und sich freuen, über eine nur marginal sinnvolle Messe wandern zu können?

Unwahrscheinlich.

Immerhin: wenn der Rahmen wieder da ist, kommen auch das Festival und das Get-together wieder zurück. Vielleicht kann man sich dann auch wieder zusammensetzen und konstruktiv sein…

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