Mann im Schatten

Neulich am Balkon, ein Gast zum anderen: „Mein Chef hat meine Gehaltserhöhung einfach abgewiesen.“ Gegenfragen des Angesprochenen: „Wie viel verdienst du denn?“ Man mache ja schließlich ungefähr das Gleiche. Ach, 800 Euro pro Monat mehr also. Warum dann eine Gehaltserhöhung. „Ich weiß nicht. Ich finde, ich habe eine verdient, denn andere verdienen gleich viel und arbeiten weniger.“

Habgier - internationaler weil menschlicher Makel

Habgier - internationaler weil menschlicher Makel

Neben der ohnehin bestehenden Differenz weiterhin pikant: die nächststehende Person auf dem Balkon war arbeitslos und bekommt gar nichts.

Aber den Hals nicht voll kriegen zu können ist nur allzu menschlich. Das hätte eigentlich auch den Deppen mal auffallen können, die damals die sieben grundlegenden schlechten Eigenschaften des christlichen Glauben festlegten. (Sind nur Eigenschaften. Todsünden sind entgegen landläufiger Meinung etwas anderes.) Sie glorreichen sieben sind:

1. Hochmut, Ruhmsucht
2. Geiz, Habsucht
3. Genusssucht, Ausschweifung
4. Zorn, Vergeltung
5. Völlerei, Maßlosigkeit
6. Neid, Eifersucht
7. Trägheit

Wenn das mal nicht fast alles auf die gleiche Grundeigenschaft zurückgeht: Habgier, wie sie auf dem Balkon so plötzlich auftauchte.

– Ruhmsucht? Ich will Ruhm HABEN. Mehr Ruhm als du. Mehr Ruhm als alle. MEHR. -> Gier nach Ruhm.

– Genusssucht? Ein einfaches Leben reicht nicht, es muss MEHR sein. Ich will mehr Unterhaltung HABEN. -> Gier nach Genuss.

– Zorn / Vergeltung. Schwerer auf (Hab)Gier zurück zu führen, aber meistens kommt Zorn auf, weil jemand anderes etwas wegnimmt, den Stolz kränkt, die Autorität anzweifelt. Er nimmt etwas weg, was ich aber uneingeschränkt HABEN will.

– Völlerei? Reine Gier nach mehr. Ein Mehr, das mir nicht mehr genommen werden kann, weil ich es in mir aufnehme.

– Neid? Worauf wohl neidisch? Auf einen weltlichen, geistigen oder physischen Besitz eines anderen, nach dem gegiert wird.

– Trägheit. Wieder etwas schwerer und nur holprig auf Gier zurück zu führen.

So oder so – überall lugt die hässliche Fratze der Gier. Sei es in der erzkatholischen Sündenlehre oder auf dem Balkon der nächsten Party. Man muss also nicht mal in die große Banken-Szene lugen, wo sich manch raffgierige Manager die Taschen auf Kosten der kleinen Bürger voll machen – und man muss nichtmal gläubig sein, um davon angekotzt zu sein.

Ein Teil der Balkon-Besetzer blieb dann auch nicht mehr lange. Es war nicht der habgierige, sondern der angekotzte.

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